Setz dich

Museumsobjekt: Vorderösterreicherischer Sessel
Entstehungsdatum: 18. Jahrhundert
Künstler/Hersteller: unbekannt
Entstehungs/Fundort: Stockach (altes Rathaus)
Technik/Material: Holz,Leder
Museum: Stadtmuseum Stockach
Ort (Museum): Stockach
Bundesland: Baden-Württemberg

Kommentar:

Man kommt von der Schule nach Hause. Der Kopf brummt, als wäre man gegen eine Wand gelaufen, die Sachen, die für Heute zu erledigen sind, sind viel zu viel um heute noch Freizeit zu haben. Und Essen muss man sich auch noch selber kochen. Kein Bock auf irgendwas. Der einzige Wunsch ist, sich irgendwo fallen zu lassen und nichts zu denken. Man schmeißt die Tasche in die Ecke, kickt die Schuhe weg und setzt sich in seinen Sessel neben der Heizung.
In diesem Beispiel ist der Sessel wie Heimat. Man sagt immer Freunde sind Heimat. Der Wohnort ist Heimat. Der Geburtsort ist Heimat. Aber für mich ist das alles nicht annähernd Heimat. Heimat ist nicht irgendein Gegenstand oder eine Person. Heimat ist vielmehr ein Gefühl. Und dieses Gefühl kann von allen möglichen Personen, Gegenständen oder Orten vermittelt werden. Dieses Gefühl ist auch mit Sehnsucht verbunden. Wenn man etwas vermisst, dann vermisst man etwas das man braucht. Und es ist dieses geborgene Heimatgefühl, das man braucht. Das Vertraute. Wenn man weg ist. Vermisst du deine Geburtsstadt? Eher nicht. Deine Freunde? Schon. Dann vermitteln dir deine Freunde dieses Gefühl. Aber sie sind nicht deine Heimat. Es geht allein um das sein. Nichts und niemand kann Heimat sein. Heimat ist für mich nur einfach eine Art Sehnsuchtgefühl. Jeder hat den Wunsch eine Heimat zu haben in der man sich wohl fühlt. Und dieses Gefühl kann von verschiedenen vermittelt werden.
Als ich den Sessel im Museum sah, dachte ich automatisch an Heimat. Im Beispiel oben, können Freunde oder die Heimatstadt einem nicht die Kopfschmerzen oder die Verpflichtungen einfach abnehmen. Der Sessel zwar auch nicht, aber in den paar Minuten in denen man da sitzt, kann man einen klaren Kopf bekommen. Sich kurz gehen lassen. Der Sessel ist immer für einen da, er läuft nicht weg, er schließt sich nicht, so dass man sich nicht mehr setzen könnte. Und man kann den Sessel überall hinstellen und mitnehmen wo man möchte. Man kann den Sessel ans Fenster stellen, damit man immer hinaussehen kann. Man kann ihn mit vielen Kissen und Decken in eine Ecke stellen, wenn man es lieber gemütlich will. Man könnte ihn auch schlicht neben ein Regal stellen, wenn man sich zum Lesen in den Sessel setzen möchte. So ist es auch mit der Heimat. Man muss sich nie auf eine bestimmte begrenzen. Man kann dieses Heimatgefühl überall neu finden. Man kann auch mehrere Dinge haben die einem dieses Gefühl vermitteln. Es gibt genug viele Menschen die keine Heimat haben. Sie suchen sie immernoch verzweifelt, reisen um die Welt um irgendwann sagen zu können "Hier bleibe ich für immer. Hier fühle ich mich wohl." Es gibt wenige Glückliche, die sagen können, dass sie direkt in ihre Heimat hineingeboren worden sind, oder sie ziemlich früh finden. Es gibt aber auch Leute die ihre Heimat nie finden. Und es gibt Leute die aus ihrer Heimat raus müssen. Werden vertrieben. Und in ihrem neuen Umfeld finden sie dieses Heimatgefühl nicht wieder finden, sind geplagt von der Sehnsucht nach ihrer Heimat.
Und ich?
Der Sessel stammt aus meiner sogenannten Heimat Stockach. Meiner Ansicht nach sieht der Sessel nicht gerade sehr einladend aus. Genauso sieht es auch bei mir aus. Ich kann mich in meinem Wohnort nicht einfach fallen lassen und denken hier bleibe ich. Ich wurde in den Sessel gesetzt, aber sobald ich kann, werde ich mir meinen eignen Sessel suchen. Ich suche meine Heimat.

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Alter: 15
Ort: Stockach
Schule: Nellenburg- Gymnasium Stockach