I have no idea

Museumsobjekt: "I have no idea"
Entstehungsdatum: 2006
Künstler/Hersteller: Takehito Koganezawa
Entstehungs/Fundort: Tokyo
Technik/Material: Lichtinstallation
Museum: Berlinisches Museum
Ort (Museum): Berlin
Bundesland: Berlin

Kommentar:

“Was ist Heimat? Was bedeutet sie für dich?”


„Heimat? Keine Ahnung. Was bedeutet Heimat für mich?“ -- Suchen. Fragen. Sich wundern. Nichts finden?
„Ich muss doch einen Begriff von Heimat haben!“
Verzweiflung. „Gibt es denn keine Heimat für mich?“

„Wie kann ich meinen Begriff von Heimat ausdrücken, wenn ich nicht mal weiß, was genau ich ausdrücken will?“
Verzweifeltes Suchen. Entnervtes Skizzieren von Ideen.
Geistige Abschweifung, verloren in der Gedankenlosigkeit. Gekritzel.

„Und was kommt dabei heraus? Nichts.“


„Noch mal: Was ist Heimat?“


„Keine Ahnung, zum Teufel, ich weiß es nicht!
Vielleicht habe ich keine Heimat, vielleicht habe ich aber einfach nur keine Ahnung davon, was Heimat für mich ist.“

Aufleuchten einer Idee: I HAVE NO IDEA.



So ähnlich könnte Takehito Koganezawas Suche nach seinem eigenen Begriff von Heimat ausgesehen haben, als die Kuratoren der Ausstellung „Neue Heimat“ in der Berlinischen Galerie ihn um einen Beitrag zur Ausstellung baten.

Seine Lichtinstallation „I have no idea“ besteht aus an der Decke angebrachten verformten Lichtröhren, die in verschiedenen Farben aufleuchten und wieder verblassen. Acht dieser Lichtgebilde hängen an einer hohen, weißen Wand, ein neuntes liegt am Boden, scheinbar zufällig heruntergefallen und liegen gelassen.

Die Form der Leuchten erinnert an Kringel, die man gedankenlos während eines Telefonats, beim Nachdenken oder während der Arbeit kritzelt. Die Gebilde weisen die verschiedensten Farben auf, leuchten in blau, weiß, grün, pink, gelb oder lila.

Sie sind ein Ausdruck für die Leere, für das Gefühl, keine Heimat zu haben. Dass Takehito Koganezawa sein Werk „I have no idea" genannt und auch dementsprechend gestaltet hat, manifestiert die Akzeptanz der eigenen Heimatlosigkeit.
Das Aufleuchten und anschließende Erlöschen der Leuchtkörper erinnert an das Aufkommen von vagen Ideen, von Ansätzen eines Heimatbegriffs, den der Künstler sofort wieder verwirft.

Einzig und allein der Fakt, dass die Kringel in Neonfarben aufleuchten, erinnert entfernt an die Neonlichter einer Großstadt, Tokio beispielsweise, der Heimatstadt des Künstlers.

„I have no idea“ ist ein Ausdruck für das Nichts, die Akzeptanz des Gefühls, keine Antwort auf die Frage „Was bedeutet Heimat für dich?“ zu wissen, eventuell sogar diese Heimatlosigkeit als eine Besonderheit, eine Heimat der anderen Art aufzufassen.

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Alter: 17
Ort: Berlin
Schule: Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster