Die letztendliche Heimat

Museumsobjekt: Totenschädel
Entstehungsdatum: -
Künstler/Hersteller: -
Entstehungs/Fundort: -
Technik/Material: Knochen
Museum: Historisches Museum Speyer
Ort (Museum): Speyer
Bundesland: Rheinland-Pfalz

Kommentar:

Die letztendliche Heimat

Verschwommen nehme ich mein altes Leben war,
Schon umfassen mich sanfte Engelsflügel.
Der alten Heimat entrissen schwebe ich gar
Und fliege zu dem lichtgetränkten Hügel.
Welch Gefühle mich ergreifen! -
Eine neue Liebe in mir, die meine alte lässt erblassen.
Und tief in meiner Brust erschaudert es mir-
Selbst im Tod noch kann und werde ich mich neu niederlassen.

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Da Heimat vielfältig interpretiert werden kann, habe ich mich dafür entschieden, Heimat mit dem Tod in Verbindung zu setzen.
Zu Ausdruck gebracht werden soll der romantische Gedanke, dass der Mensch nach dem Tod kein absolutes Ende erfährt, stattdessen lebt dieser als körperlose Gestalt weiter, an Orten, die nicht fassbar für das menschliche Auge sind.
Diese transzendenten Orte stellen im Grunde Heimaten dar, die jeder Verstorbene für sich neu entdeckt und in der er auch nach dem Tod noch weiter verweilt. Genauer gesagt handelt es sich wie die Überschrift schon deutlich macht um die letztendliche Heimat, die nicht im materiellen erfasst werden kann, sondern die im Übernatürlichen begriffen werden soll. Auf der substantiellen Erde finden wir Heimaten an Orten, die für uns das Bild von Heimat, von Wohlbehagen und von Zugehörigkeitsgefühl erwecken; in der jenseitigen Welt erreichen alle Seelen nur eine einzige Heimat, die endgültig bestimmt ist.
Ein religiöser Christ würde sich, um ein Beispiel zu nennen, als Heimat den von Gott und von Engeln bewohnten Himmel ausmalen. In meinem Gedicht griff ich auf diese Idee zu, aufgrund der Tatsache, da der Großteil der westlichen Welt nach dem christlichen Glauben lebt. Mein beigelegtes Foto vermag im ersten Moment nicht den Gedanken von einem wunderbaren Weiterleben im Jenseits zu transportieren, da es sehr hart und erschreckend wirkt, dennoch soll dieser Schädel symbolisch für den Tod stehen und auch für alles, was über den Tod hinausgeht. Es besteht auch die Möglichkeit das Foto als ein Vanitas zu betrachten, denn es werden menschliche Überreste vergangener Tage zur Schau gestellt und geben die Vergänglichkeitsidee wieder: Alles Schöne auf Erden ist vergänglich- auch der Mensch, folglich auch seine individuell interpretierte Heimat. Im Gedicht soll die Überwindung der fassbaren Heimat verdeutlicht werden und deren Konsequenz eines neuen Niederlassens im Jenseits, einer Wiedergewinnung einer Heimat nach dem Tod.

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Alter: 19 Jahre
Ort: Speyer
Schule: Nikolaus-von-Weis Gymnasium