Der Ausritt

Museumsobjekt: Reiterportait
Entstehungsdatum: 1912
Künstler/Hersteller: Wilhelm Trübner
Entstehungs/Fundort: -
Technik/Material: Leinwand
Museum: Staatliches Museum Schwerin
Ort (Museum): Schwerin
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern

Kommentar:

Es ist ein herrlich sonniger Sonntagmorgen im Frühsommer, gerade richtig um
einen Ausritt zu unternehmen.
Am Waldrand wartet schon seit einigen Minuten ein junger Man auf gesatteltem
Pferd. Der braune Hengst steht ganz still und fügt sich vollkommen dem Willen
seines Reiters. Nur seine Ohren spielen nervös hin und her. Das Fell des edlen
Tieres glänzt in der Morgensonne. Seine dunkle Mähne fällt sireng und
widerspruchslos über den mächtigen Hals des Hengstes. Seine Muskelpakete
lassen erahnen, welche gewaltige Kraft in ihm schlummert. Und doch unterwirft
er sich dem Willen seines Reiters ohne Widerstand.
Sein erfahrener Reiter hält die Zügel lässig in den Händen. Der korrekt, beinahe
vollendet wirkende Sitz ist für ihn kein Problem. Er denkt nicht einmal mehr
darüber nach, denn schon seit Kindeszeiten reitet er.
Sein Gesicht ist ernst. Er wartet. Wo bleibt Kurt? Er hat ihm doch versprochen
pünktlich zu sein. Gerade jetzt, wo die Zeit immer knapper wird. Eigentlich ist es
heute die letzte Gelegenheit für einen Ausritt unter Freunden. Schon morgen
wird er sich auf dem Weg nach Hamburg befinden und dort das Studium der
Tiermedizin beginnen. Dann wird es nur noch selten eine Gelegenheit geben, sich
seinem Lieblingshengst Luxuriosus zu widmen und über Felder und Wiesen oder
durch den Wald zu galoppieren.
Der Blick auf die Uhr verrät, dass er nun schon eine halbe Stunde hier am
Waldrand wartet. Was tun? Alleine aufbrechen oder dem Freund ein Stück
entgegen reiten? Aber er ist sich nicht schlüssig, aus welcher Richtung Kurt
heute kommt. Kurt ist immer für eine Überraschung gut, ungestüm und
überschwänglich. Dieses Wesen zeigt er auch zu Pferde. Keine Hecke und keinen
umgestürzten Baum scheut er. Er tobt regelrecht zu Pferde durch die
Landschaft und immer wieder hört man dabei sein lautes Lachen erschallen, wenn
er wieder einmal ein kurzes Rennen gewonnen hat.
Genau das mag aber der junge Reiter so an seinem Freund. Sie sind so
grundlegend verschieden.
Luxuriosus wird plötzlich unruhig, beginnt ein wenig zu tänzeln. Sein Reiter weiß
dies Zeichen zu deuten. Kurt mit seiner kleinen feurigen Schimmelstute wird
jeden Moment auftauchen. Die scheinbar ruhige Miene weicht einem leichten
Lächeln, denn nun kann er ja doch noch beginnen, der Ausritt in einen sonnigen
Morgen unter schattigen Bäumen.

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Alter: 12
Ort: Schwerin
Schule: Fridericianum