Die Torwache

Museumsobjekt: Die Torwache
Entstehungsdatum: 1622 - 1654
Künstler/Hersteller: Carel Fabritius
Entstehungs/Fundort: Delft
Technik/Material: Leinwand
Museum: Staatliches Museum Schwerin
Ort (Museum): Schwerin
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern

Kommentar:

Die Torwache
1650: in einem Dorf, das nahe dem umkämpften Gebiet der Franzosen liegt und in dem zur Zeit die Deutschen ihre Truppen stationieren. Und mitten in diesem Gebiet sitze ich; ich bin eine Torwache in diesem Ort, außerdem werde ich, falls mich jemand so sieht und merkt, wie unaufmerksam ich bin, womutlich gefeuert und gehe zurück. Bloß nur wohin? Meine Heimat ist zerstört, meine Familie tot und ich, ich bin ein entkräftigter Soldat, der in einem Dorf sitzt, das halb zerstört und fast verloren ist. Übermorgen werden die Franzosen kommen, uns reihenweise töten oder gefangen nehmen und uns in ihre düsteren, kalten und nassen Kerker werfen oder als Sklaven verschiffen. Mein Leben macht kaum Sinn mehr. Mein Säbel ist stumpf, mein Magazin leer, ich wollte, ich könnte aufstehen, doch die Gedanken pressen mich an die Bank. Selbst die herrlich grünen Blumen über mir geben keinen Schimmer Hoffnung mehr. Das Einzige, was ich vernehme an Lauten, sind die Schreie der Flüchtlinge, Kommandos und das leise Winseln meines Hundes, der auch ab und zu mal bellt, wenn ein Stein von der Säule abbröselt und dumpf auf den Boden schlägt. Ich war dreimal in Frankreich und immer war es ein blutiger Kampf um Leben und Tod. Hunderte habe ich getötet und in dem Moment, wenn das warme Blut meine heißen Wangen berührte, habe ich alle Menschlichkeit hinter mir gelassen und wurde zu einer brutalen Tötungsmaschine. Doch, wenn ich hier so sitze, denke ich oft daran, wie grausam die Schreie der Toten waren und jede Nacht plagen mich Albträume, in denen das schreckliche Leben, was ich eigentlich nie wollte, wieder in mir aufflackern lässt. Oftmals bin ich abends wach und weine dann stundenlang. Am liebsten würde ich alle Kleidung von mir werfen, denn sie sind die Erinnerung an die schlimmen Zeiten des Krieges. Die Schuhe sind durchgelaufen, von den vielen langen Märschen, sie sind mit getrocknetem Blut versehen. Dazu meine Jacke mit der verschmutzten Schärpe. Doch die meisten Erinnerungen hängen am Helm, er ist nicht mit Blut befleckt, nicht mit Beulen versehen, nein, er ist ein Überbleibsel der Angst, die man im Krieg hat und man denkt jeder Moment könnte der Letzte sein. Doch ich hatte Glück, im ersten Moment habe ich mich gefreut, aber dann wiederum, wenn ich mich hinsetze und über meine Vergangenheit nachdenke, wünsche ich manchmal, es wäre mir ergangen wie Zehntausenden, die im Krieg ihr Leben gelassen haben. Es sind die Schuldgefühle.

Tim Philipp Skroblien

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Alter: 12
Ort: Schwerin
Schule: Fridericianum