Der Rhein

Museumsobjekt: Rheinlandschaft
Entstehungsdatum: 1753
Künstler/Hersteller: Christian Georg
Entstehungs/Fundort: Frankfurt
Technik/Material: Öl auf Leinwand
Museum: Kunsthalle Mannheim
Ort (Museum): Mannheim
Bundesland: Baden-Württemberg

Kommentar:

Was ist Heimat? Das ist die Frage, die ich mir zu Beginn dieses Projektes gestellt habe. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese Frage lange nicht im geringsten beantworten konnte und ich sie wohl in einem Jahr anders beantworten werde als heute. Das liegt hauptsächlich daran, dass sich der Heimatbegriff im Leben eines Menschen wandelt.
In der Kindheit ist die Heimat das eigene zu Hause, eine Umgebung in der für einen gesorgt wird und in der man Liebe erfährt. Dann kommt bei manchen, wie auch bei mir, der erste Umzug in ein neues Haus, in dem erst einmal alles fremd ist und es eine Weile dauert bis man sich wohl fühlt. Wenn man in die Pubertät kommt schränkt sich der Bereich, den man selbst als zu Hause sieht, ein Platz der Zuflucht und Geborgenheit, drastisch ein. Nun beschränkt sich diese Sphäre vielleicht nur noch auf das eigene Zimmer, in dem man Ruhe hat vor dieser anstrengenden Welt, die einen überfordert. Man findet aber auch gleichzeitig eine neue Heimat in seinem Freundeskreis, in dem man sich wohl und vor allem auch verstanden fühlt.
Irgendwann im jungen Erwachsenenalter wird es noch viel schwieriger einen Ort zu finden, den man als sein “zu Hause” definiert. Der Grund dafür ist der Fakt, dass man noch bei seinen Eltern wohnt, erwachsen ist und trotz allem keinerlei Möglichkeit hat sein Leben selbst zu bestimmen. Man muss losziehen, um sich in der Nähe oder weit weg vom Elternhaus endlich ein eigenes Leben um das eigene zu Hause, die eigene Heimat, auf zu bauen. Dort wird man eines Tages eine Familie gründen und sich wohl und sich geborgen fühlen.
Heimat bleibt nach all dieser Zeit und Entwicklung doch noch mehr: Es wird auch nachdem man ausgezogen ist immer das Haus der Eltern sein, eine alte oder auch neue Freundschaft oder auch eine Erinnerung.
Das ist es auch, was mich dazu bewegt hat das Bild der Rheinlandschaft zu meinem Heimatprojekt zu wählen. Ich lebe selbst am Rhein in Baden-Württemberg und muss ihn jeden Tag überqueren, wenn ich zur Schule in Rheinland-Pfalz oder zu meinen Freunden gelangen will. Er ist also eine Sache, die ich jeden Tag zu sehen bekomme und an manchen Tagen, wenn ich meinen Blick von der Fahrbahn der Brücke abschweifen lasse und nach unten schaue, mich immer noch fasziniert. Er zeigt sich jeden Tag anders: Manchmal im Sommer kriecht er fast bemitleidenswert in seinem Flussbett ganz schwach und wenig Wasser führend in Richtung Norden, im Frühjahr und im Herbst dagegen entwickelt er seine ernorme Größe und Kraft, die ihm Schneeschmelze und Dauerregen bescheren, und im Winter ist er klar und zu meist von Nebelschwaden bedeckt.
Ich persönlich habe schon viele schöne Stunden mit meiner Familie verbracht, mit der ich dort oft spazieren gegangen bin, mit meinen Freunden, mit denen ich oft abends am Ufer oder in unserer Strandbar saß, und mit meiner Freundin, mit der ich dort Sonnenuntergänge betrachte.
Der Rhein ist für mich, wie auch für alle anderen Menschen in meiner Umgebung ein wichtiger Teil unseres Lebens: Der Rhein ist Naherholungsgebiet für uns, denn viele Menschen, wie auch ich, spazieren seine Ufer entlang, machen Bootsausflüge auf ihm, schwimmen trotz aller Gefahr im Sommer in ihm und grillen an seiner Seite. Er ist auch ein Wirtschaftsfaktor für uns und ganz Deutschland: Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas für Güter- und Personenverkehr.
Dass wir Bewohner des Rheins mit ihm leben sieht man auch an den Sprichwörten, die sich in dem lokalen Sprachgebrauch eingefunden haben: “Bis das geschieht ist noch viel Wasser den Rhein herunter geflossen” oder um im der Pfalz klar zu machen, wo z.B. ich als Baden-Württemberger herkomme sagt man auch “Er kommt da von über´m Rhein”.
Auch an dem Bild selbst kann man sehen in welcher besonderen Beziehung die Menschen mit dem Rhein stehen, wenn man es mit dem heutigen Zustand des Rheins vergleicht. Die Menschen, wie auch ihr Fluss, haben sich verändert. Dabei haben sie sich gegenseitig beeinflusst: Der Rhein wurde begradigt und der Rhein zeigte den Menschen ihre Grenzen trotz all ihrer technischen Möglichkeit (z.B. Hochwasser).
Somit kann ich sagen, dass der Rhein aus allgemeinen Gründen, die für jeden Menschen der an seinen Ufern lebt zutreffen, und aus persönlichen Erlebnissen, die ich mit ihm verbinde, immer ein Stück Heimat bleiben wird, egal wo es mich im Leben einmal hintragen wird.

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Alter: 18
Ort: Hockenheim
Schule: Nikolaus-von-Weis Gymnasium Speyer